Allgemeine Informationen zur Schimmelpilzbildung in Orgeln:

Schimmelpilze bilden eine Wurzelwerk (Mycel) aus, das aus vielen feinen Strängen (Hyphen) besteht. Schimmelpilze als heterotrophe Organismen verstoffwechseln obligat organisches Material und treten auf, sofern kondensierende Feuchte (z.B. Unterschreitung der lokalen Taupunkttemperatur) auftritt. Hierbei werden naturgemäß in geringer Anzahldichte in der Luft auftretende Sporen im Sinne eines Befalls "kultiviert".

Das Wachstum von Schimmelpilzen beginnt als Substratmycel (d.h. in der Bausubstanz). Ist die Substanz durchsetzt, bilden Schimmelpilze ein Luftmycel aus, welches dann als flauschiger Besatz oder Stockflecken sichtbar wird. Das Luftmycel enthält die Sporen, die von dort aus freigesetzt werden.

Ist ein Befall eingetreten, muss dieser nachhaltig behandelt werden. Eine oberflächliche Reinigung bzw. ein Absaugen würde nur einen Teil des Befalls, d.h. das Luftmycel, entfernen. Dieses wächst in der Folge nach, sodass das Problem wieder auftritt. Gleiches beobachtet man auch beim Abwischen der Oberflächen mit üblichen Reinigungsmitteln ohne Desinfektion. In beiden Fällen verbleibt das aktive Substratmycel in der Bausubstanz.

Weiterhin wird beobachtet, dass manche Empfehlungen dahin zielen, dass es ausreichend sei, den Pilz einfach auszutrocknen. Unabhängig von den Folgen für das Instrument, die durch eine drastische und rasche Absenkung der rel. Luftfeuchtigkeit bedingt werden, ist dies aus mikrobiologischer Sicht ohne Eliminierung der Pilzbefalls wenig sinnhaltig. Beim Versuch des Austrocknens produzieren Schimmelpilze in hohem Maße Sporen, welche in die Raumluft freigesetzt werden. Auch dies trägt nicht wirklich zur Optimierung der innenraumhygienischen Problematik bei.

Daher ist es eine sinnvolle Lösung, zunächst die oberflächlichen Anschmutzungen und Sedimentationsstäube mit einem Spezialsauger (mit HEPA-Filter) zu entfernen. Anschließend sollten die sichtbaren Oberflächen in horizontaler Position (z. B. Pfeifenstöcke, Rasterbretter, etc.) gereinigt werden. Als Abschluss ist eine fungizide Behandlung mit nachhaltiger Wirkung (Remanenz) vorzunehmen, um den Pilzbefall in der Holzsubstanz zu eliminieren.

Durch eine nachhaltige Behandlung wird ein Zeitfenster von mehreren Jahren geschaffen, innerhalb dessen die eigentliche Kausalursache (in der Regel beruhend auf einer innenraumklimatischen Problematik; Luftfeuchtigkeit; richtiges Lüften) optimiert werden kann.

So kann sowohl unmittelbar als auch mittelbar und nachhaltig eine vernünftige Lösung gefunden werden. Zu jeder Zeit in der Folge einer nachhaltigen Behandlung ist das Instrument geschützt und ebenfalls auch die Gesundheit der Musiker und Besucher im Kirchenraum.

Diese Angaben basieren teilweise auf Informationen von Herrn Dr. Ulrich Schmelz, Labor UmAnLab in 34323 Malsfeld.

Unsere Erfahrungen zur Schimmelpilzbehandlung

An dieser Stelle möchten wir auch darauf hinweisen, dass in den letzten Jahren im deutschen Sprachraum die Wahrscheinlichkeit eines Schimmelpilzbefalls in Kirchen und in Orgeln zugenommen hat. Dies ist auf zahlreiche Gründe wie verändertes Klima, zu gut isolierte Kirchen, reduzierte Lüftungsmöglichkeiten etc. zurückzuführen.

Vorsorglich möchten wir Sie darauf hinweisen, dass Sie die relative Luftfeuchtigkeit im Raum ständig überprüfen sollten. Oberhalb eines Wertes von ca. 70% rel. LF wächst die Wahrscheinlichkeit eines Schimmelpilzbefalls. Bitte überprüfen Sie auch, ob ausreichende Lüftungsmöglichkeiten in Ihrem Kirchenraum vorhanden sind.

Hatten Sie in Ihrem Kirchenraum schon Schimmelpilzbefall oder sollten Sie in Ihrem Kirchenraum Gefahren für einen möglichen Schimmelpilzbefall sehen, so halten Sie bitte Rücksprache mit uns.

Schimmelpilzfilter

Schimmelpilzfilter

Gerne beraten wir Sie auch in dieser Angelegenheit. 

Zusammengefasste Erfahrungen zur Schimmelpilz- behandlung, wie wir sie in den letzten Jahren erlebt haben bzw. wie entsprechende Hinweise auch von Schimmel-pilzexperten lauteten

Was kann man zur Verbesserung der Situation tun:

1. Oberer Grenzwert der relativen Luftfeuchte: Nach Meinung zahlreicher Experten sollte als oberer Grenzwert eine relative Luftfeuchte von 70% angesetzt (und möglichst eingehalten) werden. Ab dieser Feuchtigkeit ist es relativ wahrscheinlich, dass Schimmelpilzwachstum beginnen kann.

Liegen Werte länger darüber, so müssten Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Dies könnte z.B. geschehen durch Aufstellung von Entfeuchtungsgeräten oder einer geregelten Raumbelüftung/Entlüftung.

2. Durchlüftung des Orgelgehäuses selbst: Einzelne Türen und/oder Füllungen umbauen z.B. zu herausnehmbaren Steckfüllungen, bei denen die Reiber diese Füllungen auf 2-3 cm Abstand halten. Damit bliebe optisch alles erhalten und diese Situation wäre in späteren Jahren jederzeit wieder rückbaubar (reversibel). Wir gehen auch davon aus, dass ein umlaufender Spalt von 2-3 cm bei mehreren Füllungen für eine Luftzirkulation ausreichend ist.

Weitere Möglichkeiten wären auch das Öffnen von Gehäusedächern , das Einrichten von Gitterfüllungen oder das Anbringen von Bohrungen im Bereich eines Orgelsockels, um so eine bessere Durch- oder Querlüftung erreichen zu können.

3. UVA-Bestrahlung: Hierzu empfehlen wir, die Installation von UVA-Lampen, um an dunklen Stellen die Schimmelpilzbildung  zu verhindern/ zu stören. Wir haben dies inzwischen in mehreren Orgeln ausführen lassen. Hierzu werden z. B. im Untergehäuse einige UVA-Lampen installiert, die man über eine Zeitschaltuhr ansteuern kann und die dann z.B. ab Mitternacht drei Stunden leuchten. Dies würde keinen stören und man hätte damit eine wirksame Gegenmaßnahme ergriffen.

In manchen Situationen könnte es evtl. auch angebracht sein, in das Schwellwerk oder die Trakturschächte z.B. solche Lampen zu installieren, da ja auch dort entsprechende Schimmelpilzbildung vorkommt.

Diese Arbeiten müssen von einem örtlichen Elektriker ausgeführt werden. Wichtig ist hierbei nur, dass es sich um UVA-Lampen handelt (und keinesfalls um UVB-Lampen). Die örtlichen Elektriker haben sich diese jeweils bei ihren Zulieferern besorgt.

4. Luftentfeuchter: Wichtig wäre zunächst, einen Hygrometer an der Orgel zu haben und immer wieder – wenn man an der Orgel ist – die angezeigten Werte in einem Jahreskalender einzutragen. So bekommt man im Laufe von 1-2 Jahren einen Überblick, wie sich das Klima in Ihrer Kirche verhält. Noch besser funktioniert dies mit einem Datenlogger, der die Werte abspeichert die am Computer ausgelesen werden können.

Wichtig ist hier eben die Kontrolle und das Beachten z.B. eines Grenzwertes von 70% rel. LF. Oberhalb dieses Wertes wäre es sicherlich hilfreich, wenn ein Entfeuchtungsgerät vorhanden wäre, das natürlich auch entsprechend bedient bzw. immer wieder entleert werden müsste (s. o.).

Oft wird man mit praktikablen Geräten nicht den gesamten Kirchenraum entfeuchten können. Allerdings hat es sich auch bei der umgekehrten Problematik (Trockenheit) gezeigt, dass einzelne Befeuchtungsgeräte im Orgelbereich schon eine Abhilfe bei Problemen des Instrumentes schaffen können. Von daher können wir uns durchaus vorstellen, dass ein im Bereich der Orgel aufgestelltes Entfeuchtungsgerät der Orgel schon hilft, wenn hier die Werte über 70% ansteigen. Auch ein solches Gerät besorgt man sich sinnvoller Weise bei einem örtlichen Elektriker.

5. Feuchtigkeitsmessung und automatische Lüftung: Dies wird sicher die Zukunft in allen Kirchenräumen sein. Wir nehmen an, dass bei zukünftigen Renovierungen solche Anlagen automatisch eingebaut werden müssen.

Wir vermuten, dass Kirchenräume heute eher zu selten gelüftet werden. Auf der anderen Seite kann man in dem meisten Fällen einem Messner auch nicht zumuten, dass er erkennt, ob es in der Kirche zu feucht ist, wie dann gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit und Temperatur im Außenbereich ist und ob durch einen Luftaustausch gewährleistet ist, dass nach dem jeweiligen Sättigungsgrad auch die Luftfeuchte in der Kirche abnimmt. Diese Aufgabe kann eigentlich zuverlässig funktionierend nur eine elektronische Steuerung übernehmen, die die Werte innen und außen an der Kirche misst und dann durch einen automatischen Fensteröffner eine Belüftung zulässt oder nicht.

Nach unserem Wissen sollten zumindest an zwei gegenüberliegenden Fenstern im Kirchenraum Stellmotore installiert werden. Natürlich braucht man auch entsprechende Fühler im Außen- und Innenbereich. 

Was wir bei einer Schimmelpilzbehandlung für Sie tun können:

1. Behandeln aller Textil-, Leder- und Holzteile der Orgel außen und soweit zugänglich innen mit den empfohlenen Schimmelbekämpfungspräparaten. Hierzu werden sämtliche Pfeifen aus den Orgelgehäusen herausgenommen. Die Behandlung betrifft die Windladen und Bälge, die Holzpfeifen, den Spieltisch sowie Orgelbank, Pedalklaviatur und weitere Mechanikteile. Bei den Metallpfeifen wird eine Behandlung nur dort ausgeführt, wo Schimmelbefall ersichtlich ist.

2. Sichtbarer Schimmelpilzbesatz wird zum einen mittels Pinsel und Spezialstaubsaugern unter Verwendung von z.B. Swirl-Micropore-Beuteln abgesaugt. Unsere Mitarbeiter werden angehalten, dabei mit Feinstaubmasken P3 zum Personalschutz zu arbeiten, ebenso werden Einweghandschuhe getragen und zu Beginn der Maßnahme werden Einwegoveralls benutzt.

Anschließend werden die Oberflächen mit einer Lösung aus 70% Ethanol in Wasser und unter Verwendung von Einwegschwämmchen, Einwegtüchern und Wattestäbchen gereinigt.

Alternativ werden die Teile der Orgel mit wasserverdünnbarem „Fungo-Clean“ Präparat behandelt. Hierzu erfolgt eine gemeinsame Absprache. Durch sämtliche Maßnahmen werden die oberflächlich sedimentierten Sporen und Mycelbestandteile entfernt.

In einem weiteren Arbeitsgang werden sämtliche befallenen Orgelteile mit dem Präparat „Fungo-Ex-Forte“ behandelt, wodurch der aktuelle Befall beseitigt und gleichzeitig eine Remanenzwirkung geschaffen wird.

3. Im Untergehäusebereich werden seitlich links und rechts in die vorhandenen Füllungen Lüftungsschlitze eingefügt, um hier eine Querzirkulation der Luft zu ermöglichen.

4. Ggf. bauseits im Untergehäuse Installation von UVA-Lampen, um hier eine zusätzliche Bekämpfung vorzusehen. 

5. Filter in der Luftansaugung: Standardmäßig bauen wir einen normalen Staubfilter ein. Beim Auftreten von Schimmelpilzsporen in der Raumluft empfiehlt es sich, den Ansaugbereich des Orgelgebläses mit einem Schimmelpilzfilter nachzurüsten.

6. Nach Abschluss obiger Maßnahmen Einbau und Zusammenbau aller gereinigten und behandelten Orgelteile, Einregulierung der Mechaniken, Intonationsprüfung und Hauptstimmung der Orgel.

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