Tradition seit 1855

Die erste Orgelbauwerkstätte entstand in Hardheim ab 1855 unter Ignaz Dörr, der sein Handwerk unter anderem in der Würzburger Werkstatt von Balthasar Schlimbach erlernte. Unter dem Namen Bader wurde diese Tradition ab 1886 in mehreren Orgelbaubetrieben in Hardheim fortgeführt.

Im Jahre 1958 entdeckte Orgelbaumeister Hans Theodor Vleugels (zuletzt Werkleiter bei E. F. Walcker & Cie in Ludwigsburg) diese Orgelwerkstätten, denen ein geeigneter Nachfolger fehlte. Durch Zusammenlegung aller Firmen und einen Werkstattneubau führte er den Betrieb zu neuer Blüte.

Neben der Erstellung von Instrumenten nach klassischen Prinzipien betritt der Hardheimer Orgelbau immer wieder Neuland und setzt richtungsweisende Akzente. Als Beispiel sei hier die Anordnung einer Orgel auf einem Betonpilz, einem hängenden Stahlskelett und die Verwendung von Glas für ein transparentes Schwellwerk oder einen Spieltisch genannt. Erste Orgeln werden mit einer künstlerischen Prospektgestaltung durch Gemälde versehen. Durch solch mutige Gestaltungselemente wird die Fachwelt überrascht und verblüfft.

Auch technisch werden die Orgeln beständig weiterentwickelt und auf ein neues Qualitätsniveau gehoben. Schon in den 1970er Jahren beginnt weitgehend die Abkehr von Tropenhölzern und Plattenmaterialien - zum Einsatz kommen einheimische Massivhölzer.

Die 1980er Jahre bringen eine Spezialisierung auf dem Restaurierungssektor. Neben mechanischen Schleifladen werden wieder Registerkanzellenladen und pneumatische Trakturen restauriert. Dabei werden schon früh materialschonende Verfahren wie die Schädlingsbekämpfung mittels Begasung angewandt.

Im Intonationsbereich erfolgt eine starke Orientierung an süddeutsch-barocken sowie deutsch-romantischen Vorbildern. Dabei findet oft auch originales Pfeifenwerk aus beiden Epochen in neu konzipierten Werken Verwendung. So erhält die symphonische Orgel "Hardheimer-Prägung" sehr stark deutsch-romantische Einflüsse.

Sowohl die Auswahl der Materialien als auch die Verarbeitung und Konstruktion erfuhren in dieser Zeit eine weitere Qualitätssteigerung. Dazu beigetragen hat auch die Integration von Teilen der ehemaligen Orgelbauwerkstätte Albiez aus Lindau und der Bezug eines neuen, großräumigen Werkstattgebäudes. Der Weg wurde bereitet, in den Folgejahren zu den namhaften europäischen Orgelbauern aufzuschließen.

1991 wurde die Geschäftsleitung von Orgelbaumeister und Restaurator Hans-Georg Vleugels übernommen. In den folgenden Jahrzehnten entstanden traditionelle Instrumente, aber auch außergewöhnlich moderne Orgelwerke im gesamten Süd- und Mitteldeutschen Raum sowie im angrenzenden Ausland. Ein Alleinstellungsmerkmal seit 1996 sind die künstlerischen Farbfassungen von Orgelgehäusen. Durch die Restaurierung von romantischen Großorgeln wurden weitere richtungsweisende Maßstäbe in der Orgeldenkmalpflege gesetzt, z.B. ab 1993 durch die Restaurierung elektrischer Trakturen.

Nachdem er weltweit Erfahrung sammelte, führt seit 2007 Orgelbaumeister Johannes D. C. Vleugels die Familientradition fort. Mit drei Generationen Orgelbaumeistern unter einem Dach sind wir in der Tradition verankert, aber dem Fortschritt verpflichtet. lang_en

 

 

 

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Werkstatt Max Bader in der Langen Gasse, Hardheim

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Wilhelm Bader II, Ende der 1950er Jahre

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Hans Theodor Vleugels (links) Anfang der 60er Jahre

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Familie Vleugels am 26.04.2006 im Vatikan

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Firmenareal heute, Rote Au 43-45, Hardheim