Beschreibung Smetana Saal Prag

Orgel im Smetana-Saal, Konzertsaal der Prager Symphoniker FOK:

Bei der Restaurierung im Jahre 1995 führte man den Zustand von 1912 wieder herbei, nachdem in den Jahren 1961/62 die Orgel umgebaut und erweitert worden war. Von den ehemals 70 Registern waren 10 gänzlich verschollen. Diese wurden rekonstruiert, die Voitschen Ventilladen (Registerkanzellen) mit stehenden Bälgchen wurden restauriert. Der originale Spieltisch konnte glücklicherweise in einem Außenlager des Prager Nationalmuseums gefunden werden. Er wurde restauriert und steht auf einem fahrbaren Podest. Ergänzend zum Voitschen Spieltisch erhielt die Orgel einen neuen, ebenfalls elektrischen, fahrbaren Spieltisch. Beide Spieltische sind mit einem LWL (Lichtwellenleiter) –Kabel ausgestattet. Dies ermöglicht die Aufstellung der Spieltische an jeder Stelle der Bühne.

Die Voit- Orgel von 1912 im Smetana-Saal des Repräsentationshauses und ihre Restaurierung 1995-1997.

Die Voit- Orgel von 1912
Im Jahre 1912 erbaute die Firma Voit & Söhne aus Karlsruhe- Durlach, Deutschland, eine große 3-manualige Konzertorgel mit 70 Registern und fahrbarem elektrischen Spieltisch, der Liefervertrag wurde allerdings mit der tschechischen Firma Jan Tucek in Hora Kutná abgeschlossen. In einer Art „Join Venture“ ließ man aber von Voit die Orgel erbauen, in Prag aufstellen und intonieren. Jan Tucek fertigte lediglich einige größere Holzregister und Prospektpfeifen an. Er gab sich später aber als Erbauer der Orgel aus, wie sein Firmenschild am Spieltisch an Stelle des Voit-Signums noch heute zeigt.

Der Jugendstil-Freiprospekt erstreckt sich über eine Breite von 9,6 m oberhalb des Orchesterpodiums und der Chorgänge. Die zweireihig gestaffelten, teilweise klingenden Prospektpfeifen stehen auf einem 2,9 m hohen Unterbau. Das Gesimsband aus Metall – mit Holzimitationsmalerei – wurde mit dem Relief Smetanas geschmückt.

Der Prager Musikwissenschaftler, Kompositionslehrer und Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Künste, Karel Stecker, erarbeitete die Disposition für die 3-manualige Orgel. Die heute nicht mehr existierende Fa. Voit war zu Beginn des 20.-Jahrhunderts eine der führenden Hersteller für Saalorgeln in Europa (Instrumente von Paris bis Budapest).

Bei den Windladen handelt es sich um Voit’sche Ventilladen (Registerkanzellen) mit stehenden Bälgchen, wie sie bereits 1903 beim Bau der Konzertorgel in der Stadthalle Heidelberg realisiert wurden. Jedes Teilwerk wurde zweigeschossig angelegt. Pfeifen in 8′-Lage standen in den Manualwerken auf den oberen Windladen. Darunter befanden sich die Pfeifen bis zu 4′-Länge. Die Windladen des I. Manuals standen hinter der linken Prospektfront. Auf den nebeneinander liegenden Großpedalladen in der rechten Orgelhälfte kamen die 32′-Pfeifen und offenen 16′-Pfeifen zum Stehen. Jeweils die größten Pfeifen im I. Manual und Pedal waren außen angeordnet und fallen in chromatischer Tonfolge zur Mitte hin ab. Über den Diskantpfeifen des Großpedals lagen auf Sturz die beiden aufgeständerten Windladen des Kleinpedals. Die Schwellwerke des II. und III. Manuals befanden sich spiegelbildlich in einer erhöhten Apsis. In jeder Schwellkammer liegt zusätzlich noch eine – somit schwellbare – Pedallade.

Die Windverteilung bestand aus vier doppelfaltigen Magazinbälgen. Die Orgel besaß elektropneumatische Trakturen. Die Steuerung der Orgel vom fahrbaren Spieltisch bis zu einer Umformstation in der Orgel erfolgte auf elektrischem Wege. Der elektrische Spieltisch stand auf der Orchesterbühne und war auf einem eigenen, kleinen Podest versenkbar. Als Rarität besaß er eine Pedal-Anulatorwalze.

Umbau der Orgel in den Jahren 1961-1962
In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg entsprach die Disposition nicht mehr dem Zeitgeschmack. Deshalb wurde die Orgel um ein IV. Manual erweitert und mit einem neuen Spieltisch versehen. Die Arbeiten wurden von der Tucek-Nachfolgefirma Organa ausgeführt. Nach der Erweiterung besaß die Orgel 89 Register.

Die Restaurierung in den Jahren 1995-1997
Die Pläne der Stadt Prag, das Repräsentationshaus umfassend restaurieren und rekonstruieren zu lassen, führten schließlich auch zu der Entscheidung, die inzwischen desolat gewordene Konzertorgel wieder spielbar zu machen und dabei in einen möglichst authentischen Zustand zu versetzen.

Die Auftragsvergabe erging an die Orgelmanufactur Vleugels in Hardheim, Deutschland, welche bereits 1993 die Voit-Orgel von 1903 in der Stadthalle Heidelberg III/56 restaurierte und als der Spezialist für Konzertsaalorgeln gilt. Ziel der Arbeiten war es, den Zustand von 1912 wieder herbeizuführen. Bei den Bestandsaufnahmen stellte es sich heraus, dass von den ehemals 70 Registern nur 10 gänzlich verschollen waren.

Der originale Spieltisch konnte glücklicherweise in einem Außenlager des Prager Nationalmuseums in Krinec bei Nymburg ausfindig gemacht werden. Er wurde restauriert und ergänzt und steht jetzt auf einem fahrbaren Podest. Ergänzend zu dem Voit’schen Spieltisch erhielt die Orgel einen neuen, ebenfalls elektrischen, fahrbaren Spieltisch. Diese Neuanfertigung sollte der heutigen Spiel- und Registrierpraxis Rechnung tragen, da sich eine Ausstattung des originalen Spieltisches z.B. mit elektrischer Speicheranlage ausschloss. Beide Spieltische sind mit einem 10 m langen LWL-Kabel ausgestattet. In Verbindung mit den drei im Orchesterpodium eingerichteten Steckdosen ermöglicht dies die Aufstellung von beiden Spieltischen an jeder Stelle der Bühne.

Die Intonation umfasste die Überarbeitung des Voit- Bestandes und die Neuintonation bzw. Einfügung des rekonstruierten Pfeifenwerkes. Die von Jan Tucek gefertigten Holzregister kamen nicht an die Qualität der Voit- Pfeifen heran. Hier konnte nur mit großem intonatorischen Aufwand die Einbindung in den Gesamtklang erfolgen. Insgesamt befinden sich 4814 klingende Pfeifen in der Orgel, davon 54 im Prospekt. Dort stehen zusätzlich 92 stumme Pfeifen.

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